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Liederwegen folge ich|Auf der Spur durch Land und Zeit|Und ich frag mich|Kann es eine Richtung geben?

Zwölftel Blick - November

November - das ist die Zeit der melancholischen Gedichte und fallenden Blätter. Musik in Moll.

Mein Lieblingsdichter Erich Kästner hat ein Gedicht dazu geschrieben, das auf eine unnachahmliche Art Romantik und Augenzwinkern verbindet:






Nasser November

Ziehen Sie die ältesten Schuhe an, 
die in Ihrem Schrank vergessen stehn! 
Denn Sie sollten wirklich dann und wann 
auch bei Regen durch die Strassen gehn. 

Sicher werden Sie ein bisschen frieren, 
und die Strassen werden trostlos sein. 
Doch trotz allem: gehn Sie nur spazieren! 
Und, wenn's irgend möglich ist, allein. 

Müde fäellt der Regen durch die Äste. 
Und das Pflaster glänzt wie blauer Stahl. 
Und der Regen rupft die Blätterreste. 
Und die Bäume werden alt und kahl. 

Abends tropfen hunderttausend Lichter 
zischend auf den glitschigen Asphalt. 
Und die Pfüetzen haben fast Gesichter. 
Und die Regenschirme sind ein Wald. 

Ist es nicht, als stiegen Sie durch Träume? 
Und Sie gehn doch nur durch eine Stadt! 
Und der Herbst rennt torkelnd gegen Bäume. 
Und im Wipfel schwankt das letzte Blatt. 

Geben Sie ja auf die Autos acht. 
Gehn Sie, bitte, falls Sie friert, nach Haus! 
Sonst wird noch ein Schnupfen heimgebracht. 

Und - ziehn Sie sofort die Schuhe aus!



















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