Kleiner Vogel – das neue Projekt

Inzwischen habe ich so viele Ideen, dass ich mehrere Lieder davon machen könnte. Starten will ich aber mit einem Erlebnis, das ich diesen Sommer hatte. Auf dem Tisch in meinem Sportstudio habe ich einen kleinen Vogel entdeckt, der irgendwie durch das offene Fenster gekommen sein muss. Wie lange er da schon saß? Ich wusste nur, dass ich was unternehmen musste. Von alleine würde er nicht mehr den Weg nach draußen finden. Ich wollte aber auch nicht riskeren, dass er noch weiter in den Raum fliegt und dann überhaupt keine Chance mehr hat.
Also bin ich ganz vorsichtig an den Tisch getreten und habe noch vorsichtiger meine Hände ausgestreckt. Der kleine Vogel hat mich nur angesehen und sich nicht gerührt. Hatte er sich möglicherweise verletzt und konnte nicht mehr fliegen? Schließlich habe ich ihn vorsichtig mit beiden Händen genommen. Er hat sich immer noch nicht gerührt und nur ganz leise gefiept. Leichter als ein Blatt Papier schien er zu sein, aber ich konnte seine Angst spüren. Die hatte ihn wohl komplett erstarren lassen.
Also die Treppe runter, an mehreren verdutzten Leuten vorbei und vor die Türe. Ich wollte den kleinen Vogel eigentlich auf einen Baum oder Busch setzen und hoffte, das er sich dann wieder fängt. Sobald ich aber die Hände geöffnet hatte, ist er sofort davongeflogen. Das war ein unglaublich schönes Gefühl. Ich habe ihm nachgesehen, bis ich ihn im Sonnenuntergang nicht mehr erkennen konnte. Und ich habe ihm in Gedanken alles Glück der Welt gewünscht.
So viel Aufhebens um einen kleinen Vogel? Ja, gerade darum. Als ich ihn in meinen Händen getragen habe, hatte ich das Gefühl, die Welt zu halten. Und obwohl es nur ein kleiner Vogel war, kam mir der Satz aus dem jüdischen Talmud in den Sinn „Wer auch immer ein einziges Leben rettet, der ist, als ob er die ganze Welt gerettet hätte”.

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