Schließ Aug und Ohr für eine Weil

Für mich gibt es Jahrestage, an denen ich als Songpoet nicht vorbeikomme. Der 22. Februar ist so einer. An diesem Tag wurden 1943 die Geschwister Hans und Sophie Scholl von den Nazis enthauptet. Sie waren die Seele der Widerstandsgruppe Weiße Rose und ihre Flugblätter entstanden aus der Überzeugung heraus, dass man nicht schweigend zuschauen dürfe, sondern Widerstand gegen das verbrecherische System leisten müsse.
Über die Weiße Rose ist schon viel geschrieben worden. Für mich ist es aber das Lied Schließ Aug und Ohr für eine Weil des jüdischen Dichters Friedrich Gundolf, das als das Lied der Weißen Rose gilt. Ich habe es selbst schon oft gesungen, aber Text und Melodie lassen mir trotzdem jedes Mal einen Schauer den Rücken herunterlaufen.

Schließ Aug und Ohr für eine Weil
Vor dem Getös der Zeit,
Du heilst es nicht und hast kein Heil
Als wo dein Herz sich weiht.

Dein Amt ist hüten, harren, sehn
Im Tag die Ewigkeit.
Du bist schon so im Weltgeschehn
Befangen und befreit.

Die Stunde kommt, da man dich braucht.
Dann sei du ganz bereit
Und in das Feuer, das verraucht,
Wirf dich als letztes Scheit.

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